Heinrich Kalteisen, in Koblenz geboren und aufgewachsen, berichtet in seinem "Kopiebuch" über seinen ärgsten Feind Marcellus, daß dieser "auf der Nordseite eines kleinen Flusses, Lahn genannt, welcher westwärts durch Nassau fließt und ein Stück südlich von Koblenz in den Rhein mündet", in einem kleinen, alten Ort, Nievern genannt, um 1400 geboren sei. Damit ist es sicher, daß die Bezeichnung "Marcellus de Niveriis" sich eindeutig auf dessen Geburtsort bezieht, zumindest auf das Kirchspiel Nievern.
Wie Marcellus aufwuchs und wer seine Eltern waren, blieb unbekannt, wie sein Geburtsname lautete, ebenfalls. Den Namen Marcellus hat er sicher erst bei seinem Eintritt in den Franziskaner‑Orden angenommen. Ob er jemals wirklich an einer Universität studiert hat, wie er selbst immer wieder angab, ist ungewiß; es haben sich keinerlei schriftliche Belege dafür gefunden. Anderseits ist aber auffallend, daß er die Sprache seiner Zeit, das Lateinische, in Wort und Schrift beherrschte, auch daß er Kenntnisse im Kirchenrecht besaß und sich selbst immer als "hochgelehrt" darstellte. Die Doktor‑Titel, die er später als Belege für seine Studien vorlegte, stammten wohl alle aus einer Fälscherwerkstatt. Offensichtlich bot das Klosterleben Marcellus zu wenig Entfaltungsmöglichkeiten für seine Fähigkeiten, so daß er wohl schon bald das Kloster verließ ‑ seitdem belegten ihn seine Gegner mit dem wenig ehrenvollen Titel "entsprungener Mönch". Wie alle Hochstapler liebte Marcellus das "Verkleiden". Er verschaffte sich ein knöchellanges Gewand, ließ sich einen langen Bart stehen und gab sich als "Kanonikus des Ordens vom heiligen Grabe" aus. Später, als er zu Amt und Würden gekommen war, kleidete er sich wie ein Adeliger, dazu stellte er sich selbst einen Adelsbrief aus. Er war noch nicht älter als 20 Jahre, als er zum ersten Mal "auffällig" wurde. In Venedig (andere Quellen sprechen von Lübeck) entkam er dem Verlies, indem er dem herbeigebrachten Beichtvater einen Schlaftrunk verabreichte und in dessen Gewändern aus dem Gefängnis entkam. Auch daran lassen sich zwei weitere Fähigkeiten von Marcellus erkennen: 1. er konnte sich gut verstellen (schauspielern), und 2. er hatte einige Kenntnisse der Medizin, denn dieser Schlaftrunk war ‑ als Medizin getarnt ‑ nach seinen Angaben von einem Apotheker hergestellt worden. Nach seiner Flucht aus Venedig tauchte Marcellus zusammen mit einem Bruder (ob es sich dabei um einen leiblichen Bruder oder um einen Klosterbruder handelte, ist unklar) in Deutschland auf. Er hatte inzwischen erkannt, daß mit dem Verkauf von päpstlichen Ablaßbriefen viel Geld zu verdienen war. Marcellus gab vor, Ablaßgelder im Auftrag des Papstes zu sammeln, um den König aus der Gefangenschaft der Sarazenen auszulösen; natürlich waren alle diese Ablaßbriefe gefälscht. Die beiden "seltsamen" Mönche erregten bald Aufsehen und natürlich auch das Mißtrauen der Kirchenoberen, die ja selbst am Ablaßhandel interessiert waren. So ließ der Bischof von Lübeck, Johann Schele, die beiden gefangennehmen. Er erkannte schnell, daß die päpstliche Legitimation gefälscht war, und er zwang Marcellus, ihm das eingesammelte Geld auszuhändigen (mindestens 300 Mark, die die beiden im Bistum Schwerin gesammelt hatten). Im Gefängnis verstarb der Bruder von Marcellus ‑ das belegen die Lübecker Akten ‑, während Marcellus offensichtlich die Erlaubnis erkaufte, sich in der Stadt bis zum Prozeßbeginn frei zu bewegen. Diese Freiheit nutzte er unverzüglich für seine Flucht aus der Stadt.
Marcellus entkam über die Elbe, und Bischof Schele blieb nichts anderes übrig, als die Vorgänge dem damaligen Papst Martin V. zu melden, der sich aber kaum darum kümmem konnte, hatte er sich doch gleich mit zwei Gegenpäpsten, Clemens VIII. und Benedikt XIV., auseinanderzusetzen.
Diese Zeit, das "große Schisma" genannt, mit Päpsten und Gegenpäpsten in Rom und Avignon, hatte die Kirche in eine tiefe Krise gestürzt. Da die päpstliche Autorität fehlte, "machte jeder, was er wollte", Bischöfe, Äbte, Priester. Die "böhmischen Ketzer", die Hussiten, führten regelrecht Krieg gegen den Papst. Martin V. versuchte, gegen diese Unordnung vorzugehen. Er schickte Heinrich von Beaufort als Legaten nach Deutsch land und Böhmen. Wie Marcellus es schaffte, ist unbekannt, aber 1427 tauchte er als enger Vertrauter des Legaten auf. Als dessen rechte Hand verfaßte er Schreiben, nahm an den Verhandlungen teil und spielte dabei ein doppeltes Spiel ‑ gegen gute Bezahlung unterrichtete Marcellus die Hussiten über alle gegen sie gerichteten Beschlüsse der Kirche.
Als Berater des Kardinals und Legaten stand Marcellus an exponierter Stelle ‑ da erinnerte man sich, daß eine Art Haftbefehl aus Lübeck gegen ihn vorlag. Papst Martin V. beauftragte den Kardinal deshalb, Marcellus zu verhaften. Heinrich von Beaufort bat seinen Sekretär, nach Trier zu kommen, was Marcellus auch sofort tat, aber wie groß muß seine Enttäuschung gewesen sein, als er statt einer Belobigung und der erhofften Beförderung die Nachricht erhielt, daß er gefangen sei und daß ihm in Köln, wohin der Kardinal reisen wollte, der Prozeß gemacht werde. Erzbischof Dietrich von Köln und der Fürst von Jülich, Mark, Cleve und Berg saßen über ihn zu Gericht. Währenddessen aber entwischte Marcellus aus dem Gefängnis und hielt sich in einem Nonnenkloster verborgen. Auf seine Ergreifung wurden 300 rheinische Gulden ausgesetzt, woraufhin die Bevölkerung von Köln von einem regelrechten Jagdfieber ergriffen wurde. Schließ lich entdeckte man ihn im Nonnenkloster (vielleicht wurde er auch verraten), und unter allgemeinem Gejohle und Geschrei brachte man ihn ins Gefängnis zurück (9.2.1428). Der Richterspruch erfolgte im Sommer: Marcellus wurde zu "öffentlicher Verhöhnung" und lebenslanger Gefangenschaft verurteilt. Die genaue Beschreibung dieses Vorgangs verdanken wir dem jungen Heinrich Kalteisen, der zu dieser Zeit Lehrer an der Universität in Köln war: Marcellus wurde splitternackt ausgezogen und in diesem Zustand dreimal durch die Stadt geführt Dann ließ man ihn mittels eines Seils in ein Verlies, wo er, an den Händen gefesselt, mehrere Tage ohne Essen verbringen mußte. Danach holte man ihn wieder heraus, setzte ihn auf eine Galgentreppe, zog ihm eine Narrenkappe auf. Dabei trug er eine Mönchskutte. Zurück mußte man ihn auf einem Karren transportieren, so schwach war er inzwischen. Man brachte ihn in einen schmutzigen Raum in der Bischofsburg von Brühl. Niemand konnte damals wohl vorausahnen ‑ Marcellus sicher am allerwenigsten ‑, daß er einmal zu einem der einflußreichsten Männer in Europa aufsteigen würde. Und man kann sich auch gut vorstellen, was Heinrich Kalteisen etwa 25 Jahre später gefühlt haben muß, als eben dieser Mann, den er in einer solch erbärmlichen Lage in Köln erlebt hatte, über ihn, den intelligenten und allzeit zuverlässigen Kirchenmann triumphierte.
Marcellus aber wäre eben nicht Marcellus, wenn er sich in sein schreckliches Schicksal ergeben hätte. Als man es ihm erlaubte, schrieb er Briefe an den Kardinal, in denen er bettelte, forderte, rechtete, schrie und tobte. Diese Briefe erreichten den Adressaten wohl nie, aber sie führten dazu, daß er in seinem Gefängnis nicht vergessen wurde. Und wieder waren seine medizinischen Kenntnisse seine Rettung. Da er sich ja auch als "doctormedicinae" ausgegeben hatte, erinnerte man sich an ihn, als der Erzbischof erkrankte. Und Marcellus konnte dem Erzbischof wirklich helfen. Damit stand er bei diesem plötzlich in hohem Ansehen, wurde dessen Leibarzt und erhielt von ihm eine gute Pfarrstelle an der Kirche St. Quirin in Neuss. Die Sache hatte nur einen Haken: der Erzbischof hatte gar nicht das Recht, diese Stelle zu vergeben, sondern nur die Äbtissin des Klosters von St. Quirin. Diese hatte sich aber für den Juristen Dr. Wenemar aus Wachtendunk entschieden; außerdem war ihr die Vorgeschichte von Marcellus gut bekannt. Nun begann ein jahrzehntelanger Streit um diese Pfarrstelle, in die schließlich sogar der Papst (für Marcellus) und das Konzil in Basel (gegen Marcellus) eingeschaltet wurden (1435/36). Ausgetragen wurde dieser Streit aber auch "vor Ort", indem man sich gegenseitig die Gefolgsleute gefangensetzte oder sogar das Pfarrhaus "ausräumte". Schließlich reiste Marcellus selbst nach Basel, wo zu dieser Zeit auch gerade Heinrich Kalteisen war, der für seine Berichte über die Kölner Vorgänge bei so manchem Konzilteilnehmer offene Ohren fand. Hier in Basel lernte Marcellus einen jungen Mann kennen, AeneasSylviusPiccolomini, einen heruntergekommenen italie nischen Adeligen, der als Sekretär bei einem der Kardinäle arbeitete. Er vertrat im Streit mit dem Papst die Seite des Konzils und wurde deshalb 1442 zum Reichstag nach Frankfurt geschickt, an dem auch Marcellus teilnahm. Hier änderte Aeneas offensicht lich seine Meinung, und beim nächsten Reichstag in Frankfurt 1446 trat er als Sekretär des Papstes auf. Da sind vorzügliche Verbindungen, und Marcellus nutzte sie, als er zwei Jahre später zum ersten Mal nach Rom reiste, um seine Sache dem Papst vorzutragen. Nikolaus V. war gerade zum neuen Papst gewählt worden und demzufolge über jeden neuen "Gefolgsmann" erfreut. Als nunAeneasSylvius Marcellus als treuen Anhänger des Papsttums vorstellte, da war klar, daß ein solcher Mann für seine Treue belohnt werden mußte (sein Vorleben war Nikolaus ganz offensichtlich nicht bekannt). So wurde Marcellus am 15. April 1448 zum Bischof ernannt. Das war natürlich ein großer Schritt auf der Karriereleiter, wenn auch sein Bistum am "Ende der Welt" lag ‑ in Island, das damals zum dänischen Reich gehörte (fast 50 Jahre später wurde erst Amerika ent deckt!). Aber Marcellus war nun rechtmäßiger Bischof, und er bekam die Steuern aus seinem neuen Bistum, das er selbst allerdings niemals besucht, sondern immer von anderen verwalten ließ. Marcellus ist übrigens einer der wenigen Ausländer, die Bischof von Skalholt/Island wurden; außer ihm wird nur noch ein Holländer als Bischof erwähnt, alle anderen waren Norweger oder Dänen. Zusammen mit dem Bischofsamt erhielt Marcellus die Vollmacht für acht Ablaßbriefe, mit denen sich ein schwungvoller und einträglicher Handel betreiben ließ. Außerdem wurde er zum "Collector" für die skandinavischen Länder ernannt, das heißt, er sammelte die Gelder für den Papst in Rom ein (die Zahlungen sollen nur sehr unregelmäßig erfolgt sein, was Marcellus später den Vorwurf der Unterschlagung einbrachte).
Marcellus verließ Rom, um sich seinem neuen Herrn, dem dänischen König von Kopenhagen, vorzustellen und sich seine Ernennung zum isländischen Bischof bestäti gen zu lassen. Der dänische König war zu dieser Zeit ein mächtiger Mann, der auch über Norwegen, Schweden und Island regierte. Auf seiner Reise nach Kopenhagen besuchte Marcellus auch Köln. Wahrscheinlich wollte er in seinem Haus nach dem Rechten sehen, denn anders läßt es sich nicht erklären, warum er diesen für ihn so unerfreulichen Ort nicht mied‑ Und sofort nach seiner Ankunft nahmen seine Schuldner die Gelegenheit wahr, ihn verhaften zu lassen. Für seine Freilassung hinterlegte er seine Ernennungsur kunde und versprach, Köln nicht zu verlassen, verschwand aber noch in derselben Nacht (übrigens konnte er ‑ wunderbarerweise ‑ in Kopenhagen alle seine Urkunden dem König vorlegen!). Nach einigen Wochen erreichte Marcellus Kopenhagen und stellte sich dem neugewählten König Christian 1. vor. Dieser hatte große Probleme, denn die Schweden hatten sich nach dem Tod des letzten Königs mit Knut Knutson einen eigenen König gewählt, der die günstige Gelegenheit ergriff, nach Trondheim ging und sich dort von Bischof Aslak zum norwegischen König krönen ließ. In dieser für ihn so schwierigen Situation kam dem jungen Dänenkönig ein päpstlicher Legat (dafür gab Marcellus sich aus) gerade recht. Wenn die Kirche auf seiner Seite stand, so stiegen die Chancen auf die Rückgewinnung von Schweden und Norwegen. Marcellus bot Christian seine Unterstützung an, und so begann die jahrelange Freundschaft zwischen den beiden Männern, die ein übersteigerter Ehrgeiz und Machthunger aneinanderband. Zur Ehren rettung von Marcellus ist dazu zu sagen, daß er selbst an dieser Freundschaft immer festhielt, auch in schwierigen Zeiten. Christian konzentrierte sich nun auf die Rückge winnung von Norwegen. Mit einem Heer und Marcellus im Gefolge reiste er nach Trondheim, der damaligen Hauptstadt Norwegens, und ließ sich dort am 29. Juli 1450 von Marcellus zum König krönen. Als Gegenleistung versprach Christian, Marcellus zum Erzbischof von Trondheim zu machen, da Bischof Aslak inzwischen verstorben war. Der König zwang daher das Domkapitel, Marcellus zu wählen. Dann schickte er ihn nach Rom, einmal, um diese Wahl bestätigen zu lassen, zum anderen, um vom Papst alle ehemaligen Rechte und Privilegien zurückzuerhalten (z.B. Einsetzen der Bischöfe usw.). Doch diese Reise wurde für Marcellus ein gewaltiger Fehlschlag. Er bekam zwar die päpstliche Bestätigung der Königskrönung und einiger unbedeutender Privilegien, aber was vor allem seine Person anging, so sah es düster aus. Da sein Name auf der Liste der "Gebannten" stand (wohl wegen Unregelmäßigkeiten bei seiner Tätigkeit als "Collectoi"), wurde gegen ihn ein Untersuchungsausschuß eingesetzt. Darauf tat Mar cellus das, was er in solchen Situationen immer zu tun pflegte: er verschwand heimlich aus Rom.
Sein Weg nach Norden führte wieder einmal über Köln, wo er einige Zeit offenbar unbehelligt wohnte, bis ihn seine früheren "Schandtaten" wieder einholten. Auf seinen Fahrten durch Deutschland hatte er immer wieder gefälschte Ablaßbriefe verkauft (sein Haus in Köln enthielt laut Inventarliste eine komplette Fälscherwerkstatt) und dabei recht gut verdient. Nun waren diese Fälschungen dem päpstlichen Legaten Nikolaus von Kues in die Hände gefallen. Auf dessen Nachricht hin verlangte der Papst die sofortige Verhaftung von Marcellus. Nikolaus leitete dieses Ersuchen an den Erzbischof von Köln weiter, der Marcellus verhaften ließ (zum insgesamt dritten Mal!). Nachdem Marcellus aber seine Aussagen zu Protokoll gegeben hatte, reiste er verärgert zum Herzog von Jülich, von wo aus er seinen Kampf gegen die Stadt Köln begann, der jahrelang dauern und den Kölner Kaufleuten großen Schaden zufügen sollte. Im Sommer 1452 kehrte Marcellus schließlich nach Dänemark zurück. Dort hatte sich seine Stellung radikal verschlechtert. Der Papst hatte nämlich inzwischen das "vakante" Bischofsamt in Trondheim von sich aus neu besetzt, und zwar, was für Marcellus besonders ärgerlich war, mit Heinrich Kalteisen, der Marcellus und seinen "kriminellen" Hintergrund sehr gut kannte. Kalteisen war also in Kopenhagen, um sich dem Dänenkönig vorzustellen und seine Berufung bestätigen zu lassen. Da Marcellus nicht da war und Christian hoffte, Kalteisen für seinen Kampf gegen Karl Knutson gewinnen zu können, nahm der König ihn gnädig auf und bestätigte seine Ernennung, ja, er versprach sogar, Marcellus zu verjagen, nachdem Kalteisen dessen Vergehen geschildert hatte. Dennoch fürchtete sich Kalteisen vor dem Einfluß von Marcellus, als dieser wieder in Kopenhagen auftauchte. Und seine Befürchtungen waren nicht unbegründet gewesen, denn es gelang Marcellus sehr schnell, das Vertrauen des Königs wiederzugewinnen, und bald darauf startete er seine Verleumdungskampagne gegen Kalteisen. Er hatte zwei wichtige Argumente‑. erstens hatte der Papst gar kein Recht, den Bischofsstuhl in Trondheim zu besetzen, sondern allein der König, und zweitens sei Kalteisen ein Verräter, da er sich von Karl Knutson, dem Schwedenkönig, habe bestechen lassen. Im September 1453 berief daraufhin der Dänenkönig eine Versammlung nach Bergen ein, zu der auch Kalteisen befohlen wurde. Es kam zu heftigen Angriffen von Marcellus gegen einen völlig überrumpelten Kalteisen, der sich zwar gegen die Angriffe wehrte, gegen einen so glänzenden Redner wie Marcellus aber offensichtlich keine Chancen hatte. Kalteisen wurde sogar gefangengenommen und nach Kopenhagen gebracht, wo ihm schließlich nichts anderes übrigblieb, als der Forderung, auf sein Amt endgültig zu verzichten, nachzugeben. Kalteisen bestand aber darauf, daß nur der Papst ihn vom Amt entbinden könne, und so erlaubte man ihm, nach Rom zu reisen. Dies aber war wiederum mit der Auflage verbunden, Rom die Rehabilitierung von Marcellus zu erreichen, eine recht pikante Situation für Kalteisen. Marcellus hoffte nämlich immer noch, eines Tages doch Erzbischof von Trondheim zu werden. Diese Hoffnung zerschlug sich aber endgültig, als das Domkapitel einen Dänen, Peter Akselson, zu seinem Bischof wählte. Diese Wahl wurde vom Dänenkönig sofort freudig bestätigt. Mit dieser Niederlage schien sich Marcellus schnell abzufinden, denn nun stürzte er sich, seine ganze Macht am dänischen Hof nützend, in seinen Rachefeldzug gegen die Stadt Köln. Die Kölner Kaufleute erhielten im ganzen dänischen Reich (und dazu gehörte inzwischen auch wieder Schweden) Handelsverbot, und Marcellus ließ ihre Schiffe in der Ostsee kapem. Noch eim‑nal keimte bei ihm die Hoffnung auf, doch noch zu höheren kirchlichen Würden zu gelangen, als sein alter Freund AeneasSylvius im Jahre 1458 zum Papst (Pius H.) gewählt wurde. Aber ehe die Sache für ihn eine positive Wendung nehmen konnte, ertrank Marcellus vor der schwedischen Küste, und zwar am 29. Februar 1460.
Diese kurz gefaßte Geschichte des "Marcellus de Niveriis, aus dem Leben eines großen Abenteurers", ist aus den Bad Emser Heften Nr. 111‑114 entnommen.